Winternotfall

In diesem Winter sind Millionen schutzbedürftiger Menschen im Nahen Osten, in Afghanistan und in der Ukraine mit harschen Temperaturen und extremen Wetterbedingungen konfrontiert. Für vertriebene Familien ist der Winter oft die am meisten gefürchtete Jahreszeit.

Eisiger Wind, Regen und Schneestürme machen den provisorischen Unterkünften, die Flüchtlinge ihr Zuhause nennen, oft schwer zu schaffen.

Winternotlage: ein paar wichtige Zahlen

Millionen von Vertriebenen sind jedes Jahr eisigen Temperaturen ausgesetzt.
16,6 Millionen
Flüchtlinge und Binnenvertriebene befinden sich derzeit in Syrien, im Libanon, in Jordanien, im Irak, in der Türkei, in Ägypten und in der Ukraine
9 Millionen
Menschen brauchen diesen Winter sofortige Hilfe
3 Millionen
Afghanen sind im Jahr 2025 aus den Nachbarländern zurückgekehrt, viele davon nicht freiwillig
1,7 Millionen
Flüchtlinge sind seit Dezember 2024 nach Syrien zurückgekehrt

Wie erleben Flüchtlinge und Binnenvertriebene den Winter in verschiedenen Ländern?

Winter in der Ukraine

Die Ukraine steht vor ihrem fünften Winter im Vollkrieg. Letzten Winter sanken die Temperaturen in Teilen des Landes auf –20 °C, während wiederholte russische Angriffe auf Wohnhäuser und die Energieinfrastruktur viele Familien über längere Zeit ohne Strom oder Heizung zurückliessen.

UNHCR hat gewarnt, dass die Wintermonate für Millionen von Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind, eine Frage von Leben und Tod sein werden. UNHCR verstärkt die Reparaturen an Unterkünften und sorgt für eine angemessene Isolierung der Häuser, damit die Familien die eisigen Temperaturen besser überstehen können. Ausserdem verteilt UNHCR Heizgeräte und leistet lebenswichtige Bargeldhilfen, damit die Familien ihre Miete und andere wichtige Nebenkosten bezahlen können.

Winter in Afghanistan

Afghanistan erlebt gerade eine der weltweit grössten Rückkehrkrisen. Fast 3 Millionen Afghanen kehrten im Jahr 2025 aus Nachbarländern zurück, viele unter widrigen Umständen, darunter auch Abschiebungen, und mit kaum Zeit, sich darauf vorzubereiten. Sie kehren in Gemeinden zurück, die ohnehin schon unter enormem Druck stehen, wo sich 62 % der Haushalte die täglichen Ausgaben wie Essen, Miete und andere Grundbedürfnisse nicht leisten können.

Der letzte Winter hat gezeigt, wie gefährlich die Kälte sein kann. In Bamyan sanken die Temperaturen auf bis zu –25 °C, während vielen Menschen eine angemessene Unterkunft oder die Mittel zum Kauf von Brennstoff fehlten. Eltern berichteten, dass sie Karton, Papier und andere unsichere Materialien verbrannten, um ihre Kinder warm zu halten, und dabei unmögliche Entscheidungen zwischen Essen, Heizen und Miete treffen mussten.

In diesem Winter werden UNHCR und seine Partner zurückkehrenden Familien und anderen schutzbedürftigen Haushalten helfen, sich auf die Kälte vorzubereiten, indem sie dauerhafte Unterkünfte bereitstellen, Bargeldhilfe leisten und wichtige Haushaltsgegenstände verteilen.

Winter in Syrien

Nach Jahren des Konflikts sind seit Dezember 2024 mehr als 1,7 Millionen Flüchtlinge nach Syrien zurückgekehrt. Für viele Familien bedeutet die Rückkehr in die Heimat Hoffnung nach Jahren der Vertreibung. Doch viele kehren in Gemeinden zurück, in denen Häuser beschädigt oder zerstört wurden, die Grundversorgung nach wie vor eingeschränkt ist und es kaum Möglichkeiten gibt, Geld zu verdienen.

Der letzte Winter hat gezeigt, wie schnell winterliche Bedingungen die humanitäre Not verschärfen können. Im Januar 2026 beschädigten heftige Regenfälle, schwere Stürme und Überschwemmungen Häuser und Notunterkünfte im gesamten Norden Syriens. Landesweit benötigen mehr als 6 Millionen Menschen Hilfe bei der Unterbringung.

In diesem Winter hilft UNHCR gemeinsam mit seinen Partnern zurückkehrenden Familien und anderen schutzbedürftigen Haushalten, sich auf die Kälte vorzubereiten, indem es beschädigte Häuser repariert, Bargeldhilfe leistet und wichtige Winterartikel verteilt.

Winter im Libanon

Der Libanon sieht sich weiterhin mit einer komplexen und instabilen Lage konfrontiert, die durch sich überschneidende Krisen geprägt ist. Das Land beherbergt weniger als eine Million Flüchtlinge, während in den letzten Monaten auch Hunderttausende libanesische Familien aufgrund des bewaffneten Konflikts innerhalb des Landes vertrieben wurden.

Die winterlichen Bedürfnisse betreffen sowohl die kürzlich im Libanon vertriebenen Familien als auch die syrischen Flüchtlinge, die schon seit Jahren im Exil leben. Einige syrische Flüchtlingsfamilien können nach wie vor nicht nach Syrien zurückkehren, da ihre Häuser zerstört wurden und ihnen die Mittel zum Wiederaufbau fehlen.

Vertriebene Familien und Flüchtlinge leben unter den unterschiedlichsten, oft unzureichenden Unterbringungsbedingungen, darunter Sammelunterkünfte, Schulen, informelle Siedlungen, mit Plastikplanen geflickte Zelte, unfertige Gebäude und gemietete Zimmer, die sie sich kaum leisten können.

Die Winterhilfe von UNHCR im Libanon umfasst die Reparatur und Verstärkung beschädigter Häuser und Unterkünfte, das Abdichten von Fenstern und Türen sowie die Bereitstellung von Wintergrundbedarfsartikeln wie Decken, warmer Kleidung, Solarlampen und Bargeldhilfe. Diese Unterstützung hilft den Familien, dringende Bedürfnisse wie Essen, Medikamente und Heizbrennstoff zu decken und ihre Unterkünfte vorzubereiten, bevor die Temperaturen weiter sinken.

Winter in Jordanien

In Jordanien haben Flüchtlingsfamilien bereits jetzt Mühe, ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu decken. Zwei von drei Flüchtlingen leben unterhalb der Armutsgrenze, während 93 % der Flüchtlingshaushalte verschuldet sind. Für viele Familien reicht das Einkommen einfach nicht aus, um grundlegende Ausgaben wie Essen, Miete und Gesundheitsversorgung zu decken.

Der Winter bedeutet eine zusätzliche Belastung. Viele Flüchtlinge leben in Unterkünften, die nur begrenzten Schutz vor dem harschen Wetter bieten. In den Aufnahmegemeinden geben nur 39 % der Flüchtlingshaushalte an, akzeptable Wohnverhältnisse zu haben, während beschädigte Dächer, Türen und Fenster zu den häufigsten Problemen zählen. In den Flüchtlingscamps Azraq und Zaatari leben die Familien weiterhin in Notunterkünften, von denen viele in die Jahre gekommen sind und instandgesetzt werden müssen.

UNHCR leistet Bargeldhilfe, die bedürftigen Familien hilft, ihre Grundbedürfnisse zu decken, und unterstützt gleichzeitig die in Flüchtlingscamps lebenden Flüchtlinge weiterhin mit grundlegenden Dienstleistungen und Hilfe bei der Unterbringung. Diese Hilfe ist ein entscheidendes Sicherheitsnetz: Ohne Bargeld- und Sachhilfe würde die Armut unter den in Flüchtlingscamps lebenden Flüchtlingen auf 92 % steigen.

Wie hilft UNHCR Flüchtlingen durch die Wintermonate?

UNHCR hilft Flüchtlingen und Binnenvertriebenen dabei, Unterkünfte zu reparieren und zu verstärken, Fenster und Türen abzudichten und Häuser sowie Notunterkünfte besser vor der Kälte zu schützen. Daneben stellt UNHCR wichtige Winterartikel wie Decken, Heizgeräte, warme Kleidung, Solarlampen und Bargeldhilfe bereit, damit Familien das kaufen können, was sie am dringendsten brauchen. Die Winterhilfe von UNHCR konzentriert sich darauf, Familien dabei zu helfen, unter harten Bedingungen zu überleben - oft in prekären und provisorischen Unterkünften.

UNHCR leitet weltweit die Flüchtlingshilfe und verfügt über die Reichweite und die logistischen Kapazitäten, um sicherzustellen, dass Spenden das Leben der am stärksten gefährdeten Familien verbessern.