GENF – Mitarbeitende des UNHCR, der UN-Flüchtlingsorganisation, bereiten sich von Iran und Afghanistan bis hin zu Libanon und Syrien darauf vor, auf neue Fluchtbewegungen aufgrund einer sich verschärfenden regionalen Krise zu reagieren.
Viele der betroffenen Länder beherbergen bereits Millionen von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Aufgrund seiner Präsenz in der Region ist UNHCR bereit, eine führende Rolle in der Nothilfe zu übernehmen.
Hilfe im Iran
UNHCR beobachtet die Lage im Iran genau. Das Hilfswerk ist seit 1984 im Land vertreten und als grösste UN‑Organisation in Teheran und fünf Aussenbüros tätig. Derzeit kann UNHCR die Zahl der Menschen, die sich innerhalb des Landes bewegen, nicht bestätigen. Die Lage ist unübersichtlich, und UNHCR ist bereit, Hilfe zu leisten.
Der Iran beherbergt 1,65 Millionen Flüchtlinge und andere Personen, die internationalen Schutz benötigen. UNHCR unterstützt sie weiterhin, trotz logistischer Herausforderungen. Aufnahmezentren und Hotlines sind geöffnet und bieten Beratung und weitere Unterstützung an. Zudem unterstützt UNHCR weiterhin Dienste wie Gesundheitsversorgung, Bildung und sozialen Schutz.
Schon vor diesem Konflikt waren Flüchtlinge im Iran von der schwierigen wirtschaftlichen Lage betroffen. Hohe Inflation und steigende Lebenshaltungskosten haben ohnehin fragile Einkommen weiter geschwächt, während begrenzter Zugang zum Arbeitsmarkt viele in Schwierigkeiten brachte, ihren Grundbedarf zu decken. Verschärfte Aufenthaltskontrollen und Abschiebungen erhöhten die Unsicherheit, weshalb Afghaninnen und Afghanen keine Alternative zur Rückkehr unter schwierigen Bedingungen sahen.
Schutz vor Zurückweisung
UNHCR verstärkt derzeit seine Einsatzbereitschaft an den wichtigsten Grenzpunkten des Iran. UNHCR appelliert an alle Staaten, ihre Grenzen für Menschen offen zu halten, die vor den Angriffen fliehen; jede Zurückweisung entspräche einem Refoulement.
Medien berichteten in den letzten Tagen über Bewegungen an der türkisch‑iranischen Grenze. Am Montag lagen die Grenzübertritte im üblichen Bereich. Auch an der Grenze bei Islam Qala zwischen Afghanistan und Iran bleibt die Lage stabil. Die Bewegungen an der armenischen Grenze sind gering.
Situation in Afghanistan
UNHCR ist zudem sehr besorgt über die Lage innerhalb Afghanistans. Der Schutz von Zivilpersonen – einschliesslich Flüchtlingen und Rückkehrer*innen – muss weiterhin Priorität haben. Seit Oktober 2023 sind rund 5,4 Millionen Afghaninnen und Afghanen aus Iran und Pakistan zurückgekehrt, viele nicht freiwillig. Bislang sind im Jahr 2026 mehr als 232.500 Afghaninnen und Afghanen zurückgekehrt (146.206 aus Pakistan und 86.253 aus Iran).
Massenhafte und überstürzte Rückkehrbewegungen erhöhen den Schutzbedarf erheblich und bergen das Risiko weiterer Instabilität in Afghanistan und der Region, einschliesslich weiterer Fluchtbewegungen.
Unterdessen dauern die jüngsten Feindseligkeiten zwischen Afghanistan und Pakistan an und haben Tausende in den Provinzen Kunar und Nangarhar vertrieben. Kunar war bereits vom Erdbeben des vergangenen Jahres betroffen und beherbergt eine grosse Zahl von Rückkehrer*innen.
UNHCR und seine humanitären Partner sind bereit, auf einen möglichen Anstieg der Rückkehrbewegungen zu reagieren, obwohl die Ressourcen aufgrund der jüngsten gross angelegten Rückführungen und der Finanzierungslücken stark belastet sind. Die Kapazität des UNHCR zur Unterstützung von Rückkehrer*innen wurde aufgrund von Mittelkürzungen erheblich eingeschränkt. UNHCR benötigt 2026 insgesamt 454,2 Millionen US‑Dollar, um gewaltsam vertriebene Menschen in Afghanistan, Iran, Pakistan und Zentralasien zu schützen und zu unterstützen. Bis Ende Februar waren lediglich 15 Prozent davon verfügbar.
Innerhalb Afghanistans waren sowohl das Omari‑Transitzentrum nahe dem Grenzübergang Torkham als auch das Takhtapul‑Aufnahmezentrum nahe dem Grenzübergang Spin Boldak von Angriffen betroffen. Der Grenzübergang Torkham ist derzeit geschlossen, während Spin Boldak für afghanische Rückkehrer*innen geöffnet ist. UNHCR ist vor Ort, um im Fall neuer Vertreibungen oder Rückkehrbewegungen zu reagieren.
Die UNHCR‑Hotlines in Pakistan und Afghanistan sind weiterhin in Betrieb und bieten Beratung sowie Informationen für Flüchtlinge und andere Personen, die internationalen Schutz benötigen.
Notfallvorsorge und regionale Hilfsgüter
In der gesamten Region stehen Notvorräte zur raschen Bereitstellung bereit – aus regionalen und nationalen Lagerbeständen, darunter in Termez, Usbekistan, das strategisch nahe am Iran liegt. Zu den Hilfsgütern zählen Familienzelte, Decken, Schlafmatten, Küchensets, Eimer, Kanister und Solarlampen.
Sollte eine umfassendere Reaktion erforderlich werden, wäre in vielen Ländern der Region finanzielle Soforthilfe die wichtigste Unterstützungsform. In Afghanistan, Iran, Irak, der Türkei, Pakistan und anderen Ländern bestehen bereits Systeme und Verfahren, um eine schnelle Ausweitung der Hilfe zu ermöglichen. UNHCR kann zudem kurzfristig weitere Mitarbeiter für Kriseneinsätze entsenden.
Eskalation im Libanon und Massenvertreibungen
Unterdessen wird von grossen Fluchtbewegungen im Süden des Libanon, in der Bekaa‑Ebene und in den südlichen Vororten Beiruts berichtet, nachdem Israel Evakuierungswarnungen für die Bewohner von mehr als 53 Dörfern kommuniziert hat und das Land Ziel intensiver Luftangriffe wurde.
Am Montag wurden etwa 30.000 Menschen in von der Regierung ausgewiesenen Sammelunterkünften untergebracht und registriert. Viele weitere verbrachten die Nacht in ihren Autos, am Strassenrand oder im Stau auf den Strassen, die aus dem Süden führen.
UNHCR ist über die Eskalation entlang der libanesisch‑israelischen Grenze besorgt und fordert den Schutz der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig beobachtet das Hilfswerk die Lage genau und koordiniert die Hilfe mit Behörden und Partnern. UNHCR-Teams verteilen Hilfsgüter an vertriebene Familien, die in staatlich bestimmten Unterkünften im Libanon ankommen.
Grenzübertritte nach Syrien und Lage im Irak
Auch die Zahl der Grenzübertritte nach Syrien aus dem Libanon hat zugenommen, nachdem Israel zur Evakuierung aufgerufen hat. Nach Angaben der syrischen Behörden überquerten am Montag rund 11.000 Menschen aus dem Libanon kommend die Grenze – mehr als der tägliche Durchschnitt. UNHCR ist an den syrischen Grenzübergängen präsent, und UNHCR hat für einen möglichen Zustrom aus dem Libanon geplant, einschliesslich vorab positionierter Hilfsgüter innerhalb Syriens.
Im Irak beobachtet UNHCR die Lage weiterhin aufmerksam und steht in Kontakt mit den Grenzbehörden, wobei bislang keine Veränderungen festgestellt wurden. UNHCR ist bereit, iranische Staatsangehörige und afghanische Flüchtlinge zu unterstützen und die Regierung bei Bedarf zu unterstützen.
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