Bericht von Karolina Lindholm Billing, UNHCR-Vertreterin im Libanon, vom Pressebriefing in Genf am 10. März 2026.
BEIRUT – Seit dem 2. März beobachtet UNHCR eine neue Stufe der Eskalation. Israels Evakuierungswarnungen für über 53 Dörfer und dicht besiedelte Gebiete sowie verstärkte Luftangriffe zwangen Familien im ganzen Land, innerhalb von Minuten zu fliehen.
Laut Behörden haben sich heute (10. März) über 667'000 Menschen auf einer Online-Plattform der Regierung als Vertriebene registriert. Das sind mehr als 100'000 zusätzliche Registrierungen an nur einem Tag. Die Zahl steigt weiter.
Rund 120'000 Vertriebene fanden in staatlich ausgewiesenen Unterkünften Schutz. Viele andere kommen bei Verwandten oder befreundeten Familien unter. Andere suchen noch immer nach einer Unterkunft. Viele suchen Schutz in Beirut, im Gebirge, im Norden und in Teilen der Bekaa-Ebene. Für einige von ihnen ist es bereits das zweite Mal, dass sie seit 2024 vertrieben wurden.
UNHCR sieht auch, dass Menschen die Grenze zu Syrien überqueren. Laut syrischen Behörden sind seit Beginn der Eskalation am 2. März über 78'000 Syrerinnen und Syrer aus dem Libanon nach Syrien eingereist. Unter ihnen sind syrische Flüchtlinge, die eigentlich in den nächsten Monaten zurückkehren wollten. Viele reisten nun überstürzt zurück. Dazu kommen mehr als 7'700 Libanesinnen und Libanesen. UNHCR-Teams sind vor Ort. Gemeinsam mit Behörden und Partnern leisten wir Hilfe.
Im Libanon arbeitet UNHCR seit Beginn der Krise mit der Regierung und lokalen Behörden zusammen. Bis heute haben wir rund 168'000 Hilfsgüter verteilt. Damit wurden über 63'000 Vertriebene versorgt – in mehr als 270 staatlich ausgewiesenen Unterkünften. Zum Beispiel mit Matratzen, Decken, Schlafmatten, Schlafsäcken, Solarlampen und Kanistern.
Damit Hilfe schnell ankommt, liefert UNHCR Hilfsmaterialien gleich über mehrere Wege. Dabei unterstützen nationale und internationale NGO-Partner die Verteilung. Auch Gemeinden und Partner wie das Libanesische Rote Kreuz helfen dabei. So erreichen wir Menschen auch in schwer zugänglichen Gebieten.
Die Lage belastet viele Menschen stark. UNHCR bietet psychosoziale Unterstützung an. Wir identifizieren Menschen, die besonders dringend Hilfe brauchen. Wir bringen Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden, zu ihren Familien zurück. Wir unterstützen Menschen mit Behinderungen.
Wir geben unser Bestes, um Hilfsvorräte neu aufzufüllen. Doch UNHCRs Einsatz im Libanon ist nur zu 14 Prozent finanziert. Internationale Unterstützung ist dringend nötig. Nur so können wir die Regierung und Behörden weiter unterstützen. Jeder Tag des Konflikts bringt neues Leid für Hunderttausende. Der Libanon und die Region geraten weiter unter Druck.
Zivilisten müssen immer geschützt werden. Humanitäre Hilfe muss sicher und ohne Hindernisse möglich sein. Nur so erreicht Unterstützung die Menschen, die sie am dringendsten brauchen.
Unterstützen Sie Familien die fliehen mussten
Für weitere Informationen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an :
- In Beirut, Dalal Harb: [email protected], +961 70113107
- In Amman, Rula Amin: [email protected], +962 (0) 790 045 84
- In Genf, Babar Baloch: [email protected], +41 79 513 95 49